„Nach stressigem Tag herrlich abschalten“

Uwe Jakobeit vom Regionalverband der Gartenfreunde über Leerstand, streitbare Kleingärtner und Projekte für einen guten Zweck

2015-03-14

Die Kleingärtner der Region stehen in den Startlöchern, um auf der eigenen Scholle endlich richtig loszulegen. Annegret Riedel hat sich mit Uwe Jakobeit (53), Geschäftsführer des Regionalverbandes Werdau/Glauchau der Gartenfreunde e.V., über die bevorstehende Saison unterhalten.

Freie Presse: Die Kleingärtner scharren mit den Hufen. Hat die Saison schon begonnen?

Uwe Jakobeit: So langsam ja. Der Schnitt von Bäumen und Sträuchern kann jetzt erledigt werden. Um die Qualität des Bodens können sich die Kleingärtner kümmern und zum Beispiel über uns den pH-Wert und die Nährstoffe bestimmen lassen. Auch Vorbereitungen im Gewächshaus für die frühen Kulturen wie Salat, Radieschen oder Kohlrabi sind zu treffen. Im Gartenbaumarkt bei mir um die Ecke haben schon einige ihre Salatpflanzen gekauft.

Hält das Gartenjahr Neuerungen bereit?

Unter anderem ist das Pflanzenschutzgesetz verschärft worden. Vieles, was früher in den Vereinen ging, ist jetzt verboten. Informationen gibt es bei uns. Auch einiges in Bezug auf die Anpflanzung von Gehölzen ändert sich. Darüber informieren unsere Fachberater.

In Großstädten wie Leipzig und Berlin sind freie Gärten Mangelware. Davon kann man hier in der Region nur träumen …

Im ländlichen Bereich in Sachsen sind in den zurückliegenden Jahren 12.000 Gärten aufgegeben worden. Bei uns im Verband sind es seit 2005 immerhin 1277. Das sind knapp 17 Prozent unserer Gesamtanzahl. Damit liegt eine Fläche von rund 90.000 Quadratmetern brach – ungefähr so viel wie zwölf Fußballfelder. Bei uns einen freien, wohnortnahen Garten zu bekommen, ist absolut kein Problem.

Umso dringlicher wären nachhaltige Nutzungskonzepte. Wie sind Sie diesbezüglich mit der Zusammenarbeit in den Kommunen zufrieden?

In den zurückliegenden Jahren ist diesbezüglich in Werdau fast nichts passiert. Jetzt haben unsere Gespräche aber wieder einen Schub bekommen. In Crimmitschau ist man mit einem Kleingartenentwicklungskonzept schon wesentlich weiter. Möglich ist es unter anderem, freie Gärten an die Landwirtschaft zu vergeben oder sie für Aufforstungen zu nutzen. Innerstädtisch ist das natürlich etwas kompliziert.

Mit rund 11.000 organisierten Mitgliedern sind die hiesigen Kleingärtner eine Macht und auch ein streitbares Volk. Welche Probleme gibt es zu schlichten?

Also zuerst mal sollte man sagen, die allermeisten Kleingärtner sind friedlich. Wenn es Streitigkeiten gibt, dann wegen Mängeln bei der Bewirtschaftung des Gartens oder Zahlungsrückständen für Pacht und Nebenkosten. Einige Räumungsklagen hatten wir in der vergangenen Zeit vor Gericht durchzuboxen, und der Gerichtsvollzieher musste Geld eintreiben.

Doch eigentlich ist Gärtnern ein bezahlbares Hobby?

Auf jeden Fall. Rund 100 Euro im Jahr – inklusive Pacht, Mitgliedsbeitrag im Verein und Nebenkosten für Strom und Wasser – muss man für einen Garten in Normalgröße einplanen. Das ist echt nicht viel.

Gibt es dieses Jahr wieder ein Tafelgarten-Projekt?

Ja, die Zusage der Agentur für Arbeit haben wir sowohl für Crimmitschau, Neukirchen und Werdau als auch für den Glauchauer Bereich bereits erhalten. Mitte April starten wir mit der Bewirtschaftung der Gärten in den einzelnen Anlagen.

Was ist für Sie das Tolle am Garten?

Dass man nach Herzenslust buddeln kann. Im Garten zu arbeiten bedeutet pure Entspannung. Man kann nach einem stressigen Tag herrlich abschalten.

Ihr ganz persönlicher Tipp für jeden Gartenfreund?

Nur nichts überstürzen. Alles braucht seine Zeit, gemäß dem Sprichwort: Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht.

Uwe Jakobeit ist seit April 2004 Geschäftsführer des Kleingarten-Regionalverbandes. Der gelernte Steuerfach- angestellte wohnt in Meerane. Er ist seit 2008 ehrenamtlich Schatzmeister im Landesverband Sachsen der Kleingärtner. Der 53-Jährige hat zwei erwachsene Kinder und zwei Enkel.

Bildtext: Hannelore und Ulrich Woitzick sind seit Jahrzehnten Kleingärtner mit Leib und Seele. Zu ihrem gepflegten Garten in Werdau gehört auch ein Teich.

FOTO: THOMAS MICHEL/ARCHIV

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Werdau vom 14.03.2015

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