Kleines Glück im Grünen hoch über Remse

Der Gartenverein „Steingrube“ hat nur sieben Parzellen. Zwischen Wald und Feld genießen die Mitglieder ihre kultivierten Kostbarkeiten. Hoch über Remse bewirtschaften fleißige Gartenfreunde sieben Gärten zwischen Feldern und Wäldern… So könnte ein Märchen beginnen – ein wahres noch dazu. Denn der Gartenverein Steingrube existiert mit seinen sieben Gärten wirklich. Im April wurde 20-Jähriges Bestehen gefeiert. Fünf Jahre nach der Wende gründete Wolfram Crasselt den Verein. Jeder Garten ist zwischen 300 und 500 Quadratmeter groß. Die Gesamtfläche liegt bei 2700 Quadratmetern. Im April hat Wolfram Crasselt den Vereinsvorsitz aus Altersgründen an Peter Kutzlebe abgegeben. Kutzlebe und seine Frau kommen aus dem Raum Geithain und sind erst vor zweieinhalb Jahren nach Remse gezogen, weil sie sich dort nicht mehr wohlgefühlt haben. 2015-07-18 „Unser Sohn ist aus beruflichen Gründen nach Weidensdorf gezogen, wir waren oft zu Besuch und haben so Remse kennen gelernt“, erinnert sich der 65-Jährige. „Man kann hier auf dem Land wohnen und hat trotzdem alles, was man braucht.“ „Ich könnte mir nicht vorstellen, woanders zu leben.“ – Elvira Kermer,Hobby-Gärtnerin Um für das Alter gerüstet zu sein, hat sich das Ehepaar eine Mietswohnung im Parterre gesucht und sich schnell eingelebt. Gefehlt hat nur ein schöner Garten. Zunächst bewirtschaftete Peter Kutzlebe ein Grundstück direkt an der Mulde, aber das Hochwasser im Juni 2013 zerstörte die Gartenpracht. „Durch einen Zufall kam ich dann an den Garten in der Steingrube“, erinnert er sich. Hoch über Remse kann das Hochwasser nun nichts mehr zerstören. Sogar Quellwasser kann er nun zum Gießen nutzen. „Das ist aber so kalt, dass ich es erst in Gießkannen in die Sonne stellen muss“, sagt Kutzlebe. Der Gartenverein „Steingrube“ ist einer der kleinsten Vereine im Regionalverbandes Glauchau-Werdau, bestätigt Geschäftsführer Uwe Jakobeit. Die Vereinsmitglieder kommen aus Leipzig, Meerane, Zwickau und der Rest aus Remse selbst. Pro Jahr zahlen sie fünf Cent pro Quadratmeter Gartenfläche. Weil in Zukunft Gärten frei werden, sucht der Verein nach neuen Mitgliedern. „Familien mit Kindern sind ausdrücklich bei uns willkommen“, sagt Elvira Kermer. Sie lebt schon seit 1972 in Remse. „Ich könnte mir nicht vorstellen, woanders zu leben“, sagt sie. „Jeder von uns kann sich auch einfach mal in Ruhe erholen“, sagt sie. Andererseits helfen sich die Hobby-Gärtner, wenn es mal jemand nicht schafft, die eigenen Beete zu gießen. Bildtext: Vereinsvorsitzender Peter Kutzlebe und Hobby-Gärtnerin Elvira Kermer tauschen sich gerne über die Pflanzen aus, die in den Vereinsgärten hoch über Remse wachsen. FOTO: WIEGAND STURM Quelle: Freie Presse, Ausgabe Glauchau vom 18.07.2015