Partner im Gemüsebeet

Im Juni beginnt die Ernte von Kräutern, Beeren und Gemüse. Gartendoktor Wolf erklärt in einem Mustergarten auf der Landesgartenschau, was jetzt alles zu tun ist.

Mangold streckt seine Stängel in die Höhe. Daneben gedeihen Bohnen, Liebstöckel, Rotkohl, Tomaten. In den Beeten des Mustergartens auf der Landesgartenschau in Oelsnitz steht die Ernte einiger Sorten kurz bevor. Radieschen kann man jetzt schon naschen. Der sächsische Landesverband der Kleingärtner hat auf der Landesgartenschau im Erzgebirge ein 500 Quadratmeter großen Areal mit vielen Ideen zum Nachahmen gestaltet. Sie stammen von Studenten der Dresdner Hochschule für Technik und Wirtschaft. Präsident Peter Paschke hofft, damit vor allem junge Leute fürs Gärtnern begeistern zu können.2015-06-08

Für die Gartenschau wurde ein ehemaliger Güterbahnhof aufwendig umgebaut. Gebäude, Gleise und Bahnleuchten sind in den 15 Hektar großen Garten- und Landschaftspark integriert worden. Besucher erwartet jetzt ein Meer von Frühjahrsblühern und Sommerblumen. Der Gartendoktor der „Freien Presse“, Gunter Wolf, schaute sich im Mustergarten um und gibt Tipps, damit die Gartenarbeit im Juni gelingt.

Aufgelockert – Viel Wasser fürs Gemüse: Wolf lobt beim Rundgang, dass Landesgartenschau-Mitarbeiter Klaus Michalleck die Erde ordentlich aufgelockert hat. „Das ist wichtig, damit die Feuchte auch die tieferen Erdschichten erreicht. Gemüse braucht zum Wachsen reichlich Wasser.“ Plasteblumentöpfe mit Löchern im Boden, die neben den Paprikapflanzen eingesetzt wurden, sorgen dafür, dass beim Gießen nicht nur oberflächlich Wasser an die Pflanzen kommt. Dadurch werden auch die Wurzeln versorgt. Eine für Gunter Wolf nachahmenswerte Idee. Regelmäßiges Lockern des Bodens gebe auch Unkraut kaum Chancen, sich zu entfalten.

Nützlich – Nachbarn gegen Schädlinge: Neben Erdbeeren, Rhabarber und verschiedenen Kräutern sorgen Blumen wie Margeriten, Prachtkerzen oder Sonnenhut für Farbtupfer im Juni. Das hat aber nicht nur einen ästhetischen Grund. „Mischkulturen sind wichtig, damit einzelne Pflanzen gut gedeihen. Passende Nachbarn sorgen auch dafür, dass Schädlinge abgehalten werden.

Wichtig zwischen Bohnen, Gurken, Salat und Tomaten sind nach Ansicht des Gartendoktors Studentenblumen: „Sie sondern ein Sekret ab, das unangenehm riecht. Es verringert auch den Befall mit Schadinsekten wie weißer Fliege und Blattläusen. Schon bevor Hobbygärtner die Pflanzen in Töpfen vorziehen, sollten sie nach resistenten Sorten schauen.

Resistent – Obstbäume auswählen: So wurden auch die das Beet säumenden kleinwüchsigen Obstbäume danach ausgewählt. Fachleute am Institut für Züchtungsforschung in Dresden-Pillnitz bieten dafür regelmäßig neue Sorten. Weder Blattläuse noch Krankheiten sind an den Bäumchen zu sehen. Es finden sich Äpfel wie Reglindis, Rondo, Rhapsodie und Pidi. Auch Beerensträucher wie Johannis- und Stachelbeere begrenzen das Beet. Bald können sie gepflückt werden. Doch auch das gegenüberstehende Gewächshaus hat noch seine Berechtigung. „Verschiedene Gurkensorten und Melonen mögen intensive feuchte Wärme. Auch hier ist also regelmäßiges Gießen nötig“, erklärt Paschke. Wichtig sei es, bei intensiver Sonneneinstrahlung immer die Fenster zu öffnen.

Haltungsfreundlich – Hochbeet anlegen: Platz findet sich im Mustergarten für drei Hochbeete. „Eine tolle Sache, wenn man ins Alter kommt und den Rücken schonen will“, sagt der Gartendoktor. Wer es nicht selbst bauen will, findet Bausätze in Gartencentern. Um zu verhindern, dass sich Mäuse, Schnecken oder andere Plagegeister an das Beet heranarbeiten, lässt es sich auf Beine stellen oder mit einem Drahtgeflecht schützen. Um die Feuchte zu halten, empfiehlt es sich laut Wolf in jedem Fall, das Beet mit Folie auszuschlagen. Als erste Schicht sollten grobe Abfälle wie Schnitt und Gehäckseltes und obenauf hochwertige Gartenerde kommen, die in der Wachstumszeit der Pflanzen regelmäßig gedüngt wird. In den von den Dresdner Studenten angelegten Hochbeeten finden sich Gewürze wie Kerbel, Minzarten, Pimpinelle, Majoran und Oregano. Das alles kann frisch vom Beet in der Küche verarbeitet werden.

Anschaulich – Spirale für die Kräuter: Wer es für die Kräuter exklusiver mag und weniger Platz in seinem Garten hat, der sollte eine Spirale bauen. Auf einer Pflanzfläche von etwa zwei Quadratmetern können so bis zu 20 Kräuter angebaut werden. Am besten eignen sich Natursteine. Auch dafür gibt es ein Beispiel auf der Landesgartenschau. „Ein kleiner Teich als Feuchtbiotop für die Pflanzen sollte als erstes angelegt werden“, sagt Wolf. Fugen und Ritzen bieten Rückzugsgebiete für Nützlinge im Kleingarten wie Frösche, Molche, Käfer und Erdhummeln. Angeordnet werden die Kräuter nach dem jeweiligen Feuchte- und Wärmebedarf. Mit Sand vermischte Steine und Gartenerde mit Kalk füllen die Spirale. Im Juni bietet sich ein besonderes schönes Bild, wenn die Kräuter wachsen und verführerisch duften.

Bildtext: Kennerblicke: Gartendoktor Gunter Wolf (l.) und Peter Paschke, Präsident des Verbandes der Kleingärtner in Sachsen, vor der Kräuter-Ernte an einem Hochbeet im Mustergarten auf der Gartenschau in Oelsnitz.

FOTO: RONALD BONSS

Quelle: Freie Presse, Ratgeber vom 08.06.2015

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