Tschüss Garten

Rosen einpacken, Dahlien einlagern, Tulpenzwiebeln eingraben – bis zum ersten Frost ist einiges zu tun. Was genau, das zeigt Gartenexperte Gunter Wolf am Beispiel eines Kleingartens in Sachsen.

2014-11-01
Blau blüht der Enzian und gelb die Lilien. Dahlien stehen in voller Pracht, selbst die Rosen leuchten rosa, rot und gelb. „Und das Ende Oktober. Das gab es lange nicht“, sagt Wolfgang Zocher. Er und seine Frau Renate bewirtschaften 200 Quadratmeter in einem Kleingärtnerverein in Dresden. Die Gemüsebeete sind abgeerntet, Apfel-, Pflaumen- und Birnenbaum haben gut getragen. Es wird Zeit für die Staudenrabatten. Was jetzt zu tun ist, dazu holt sich Wolfgang Zocher Rat bei Gunter Wolf, Fachberater beim Stadtverband Dresdner Gartenfreunde.

Rosen schneiden: „Wenn alle Blüten verwelkt sind, wollen wir die Rosen schneiden“, sagt der Kleingärtner. „Besser nicht“, rät Gunter Wolf ab. Die Stöcke werden erst im Frühling geschnitten, wenn sichtbar ist, was erfroren ist und wo sie wieder austreiben. Es sei denn, die Rosen leiden an der Ölfleckenkrankheit. Der Wolf hat sie an einer Pflanze diagnostiziert: Blätter mit dunklen Flecken, die später abfallen, sind ein Zeichen für die Pilzerkrankung. Die befallenen Blätter werden entfernt und im Müll entsorgt.

Eine Kletterrose überspannt den Torbogen. Rosa Blüten erinnern an den Sommer, lange Triebe staksen in den Himmel. „Was wird damit?“, fragt Wolfgang Zocher. „Die Aufwärtstriebe werden jetzt bis auf zwei Zentimeter zum Zapfen zurückgeschnitten“, sagt Gunter Wolf. Schneidet man tiefer, treiben die Rosen im Frühling unkontrolliert aus. Ansonsten sind die Kletterrosen winterhart. Ein wenig Erde um die Füße, und sie überstehen die kalte Jahreszeit. Etwas mehr Schutz brauchen sie allerdings in ihren ersten drei Gartenjahren. Das heißt, sie sollten dann wie Strauchrosen mit reichlich angehäufelter Erde, mit Laub oder Fichtenreisig warmgehalten werden.

Rosenstämmchen hingegen sind empfindlich. Sie müssen gebogen und bis zur Veredlungsstelle eingegraben werden. Einschlagtüten, die es im Handel gibt, schützen bei Minusgraden. Auf keinen Fall sollten die Rosen mit Folie eingewickelt werden. Sie vergammeln unter dem luftdichten Material.

Winterastern umsetzen: Die gelben Winterastern strahlen mit den Sonnenblumen um die Wette. Die Herbstblüher schießen im Zocherschen Garten ganz schön in die Höhe. „Wie weit können wir sie runterschneiden, ohne dass sie Schaden nehmen?“, möchte Wolfgang Zocher wissen. Gunter Wolf empfiehlt einen Rückschnitt nach der Blüte auf die Hälfte.

Und: „Winterastern sollten alle zwei, drei Jahre im Garten umziehen.“ Ansonsten verfilzen die Wurzeln stark. Die Stauden werden nicht mehr ausreichend versorgt und verweigern das Blühen, weiß der Experte.

Rhododendren düngen: Rhododendren und ihre im Winter blattlosen Verwandten – die Gartenaza-leen – lieben es sauer. Der ph-Wert im Boden sollte zwischen 5,5 und 6,5 liegen. Deshalb sollten sie jetzt nochmals mit einem Spezialdünger behandelt werden. Das haben Zochers in diesem Herbst noch nicht erledigt, aber die Altstände an den Rhododendren sind ausgekniffen. Das ist ratsam. „Ansonsten steckt die Pflanze zu viel Kraft in die ungewollte Samenbildung“, sagt Gunter Wolf und rät, die zahlreichen nächstjährigen Knospen auf Zikadenstiche zu untersuchen. Die Insektenweibchen legen darin ihre Eier ab und schaffen so Wunden für eine Infektion mit der pilzlichen Knospenfäule. Die Knospen verfärben sich braun-schwarz und sterben ab. Die befallenen Knospen müssen ausgekniffen werden und wandern in den Müll. Rhododendren kommen mit niedrigen Temperaturen recht gut zurecht. „Aber warm-kalt-warm-kalt, das nehmen sie übel“, sagt der Gartendoktor. Ein bisschen Erde, Laub oder Rasenschnitt um die Gehölze lässt sie weniger unter den winterlichen Temperaturschwankungen leiden.

Dahlien teilen: Wenn der erste Frost das Dahliengrün vernichtet hat, wird es etwa zehn Zentimeter über dem Boden abgeschnitten. Die Knollen werden ausgegraben und getrocknet, die Erde wird abgeschüttelt – nicht abgewaschen. Frostfrei und trocken, aber nicht zu warm überwintern die Knollen. „Wann teilt man sie?“, fragt Wolfgang Zocher. Vor der Winterruhe. Der Grund: „Die Bruchstellen verheilen gut“, sagt Gunter Wolf. Im Frühjahr sind frische Wunden in der Erde wie offene Tore für Schädlinge.

Knollenbegonien und Cala werden ebenfalls zum Überwintern ausgegraben. Bevor die Gladiolenzwiebelen eingelagert werden, müssen die kleinen jungen von den alten Zwiebeln getrennt werden. Die einen Zwiebeln kommen aus dem Boden, die anderen hinein: Tulpen, Narzissen, Hyazinthen, Schneeglöckchen und Krokusse können bis zum ersten Frost gesteckt werden. Auch Stiefmütterchen und Hornveilchen überwintern im Freien.

Und nicht vergessen: Auch der Rasen wächst jetzt noch weiter. Gemäht wird, solange er das tut. Der Schnitt macht sich gut auf Baumscheiben, die nochmals durchgehäckselt und vom Unkraut befreit werden sollten. So werden die Baumwurzeln gut mit Wasser und Luft versorgt.

Die Obstbäume im Zocherschen Garten sind schon recht alt und die Kronen luftig geschnitten. Jetzt noch die Baumschere anzusetzen, davon rät der Gartendoktor ab. Schnittstellen schließen sich nicht mehr so rasch.

Am Birnbaum löst sich die Rinde leicht. „Darunter können sich Pilze ansiedeln, die den Baum krank machen“, sagt Gunter Wolf. Ein Kalkanstrich sorgt für eine neutrale Oberfläche und stoppt beispielsweise die Birnhähnchen.

Auf der Liste der Herbstgartenarbeiten steht bei Wolfgang Zocher ganz oben: Umgraben. Gunter Wolf schüttelt den Kopf. Umgraben zerstört die Bodenflora und ist bei leichten Böden unnötig. Es reicht, die Oberfläche mit dem Krubber aufzurauen.

Von Gudrun Buhrig

Bildtext: Noch blüht vieles im Staudengarten: Gunter Wolf und Wolfgang Zocher (r.).
Fotos: Ronald Bonß

Quelle: Freie Presse, Ratgeber vom 01.11.2014

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.